Die Geschichte der Katze

Gozo, 14. Juli 1999

Einhunderteinunddreißig Mäuse habe ich schon gefangen, die meisten von ihnen lebend. Ich nehme den Fang in meinem Auto mit, wenn ich nach Viktoria (Hauptstadt dieser Insel mit einem Kaffeehaus, das man als solches bezeichnen kann) zum Zeitung lesen fahre und lasse sie dann in irgendeinem Feld frei. Achte aber stets darauf, dass dies nicht zu nahe bei meinem Haus geschieht, sie könnten dann ja zurückkommen, wissend, der tut uns ja doch nichts. So weit so gut. Seit Andrea (meine Nichte) da war und sie sich mit einer Katze angefreundet hat ist alles anders. Wenn ich abends nach hause komme sitzt diese Katze (die Rote, wie ich sie wegen ihres rotbraunen Fells nenne) vor meiner Tür und fordert nachdrücklich gefüttert und gestreichelt zu werden. Als ich dann wieder einmal eine Maus fing dachte ich mir, dies wäre gutes Katzenfutter. Die Scheu eine Maus zu töten weicht augenblicklich wenn sie als Nahrung für ein "höheres, lieberes" Tier bestimmt ist. Also lass ich die Katze an dem Käfig ein bisschen herumschnuppern, bevor ich die Maus durch öffnen des Käfigs in den sicheren Tod schicke. Die Rote läuft auch tatsächlich hinter der flüchtenden Maus, erwischt sie sogar, nimmt sie ins Maul rennt um die Ecke und kommt wenige Minuten später zu mir zurück und fordert Futter. Na ja, denke ich mir, so eine Maus ist sicher nicht leicht zu verdauen, mir würde sie auch drei Tage im Magen liegen, vielleicht braucht sie ein wenig Milch dazu, gebe ich ihr halt Milch. Nachdem sie die Milch ausgesoffen hatte forderte sie durch lautes Plärren, ich kann dieses Geräusch nicht Miauen nennen, ihre tägliche Ration Whiskas! Sie hatte die Maus um die Ecke einfach laufen lassen!! Diese Katze frisst keine Mäuse, wie ich bei späteren Versuchen feststellen konnte. Jedes Mal wenn ich ihr eine Maus geben wollte, ließ sie sie einfach laufen. Warum mir die Windows Word Rechtschreibprüfung jetzt das zweite "sie" rot unterstreicht, sagend: wiederholtes Wort löschen, wissen wohl nicht einmal die Leute bei Duden. Zurück zur Katze. Nachdem sie an einem Sonntagvormittag zwei Mäuse laufen ließ, ich sie daraufhin eine blöde Kuh schimpfte und ihr Milch, Whiskas und Streicheleien für zwei Tage entzog, war sie sich nicht gut genug, am dritten Tag wieder vor meiner Tür fordernd zu plärren. Na, seither sag ich mir, sie ist wie ich, sie kann auch keine Mäuse umbringen, gebe ich ihr halt ihre Milch und ihr Whiskas. Mein Gott die 22 Cent jeden Tag werden mich nicht umbringen. Sitze ich dann halt am Abend, wie die meisten Aborigines hier, vor meiner Haustür auf der untersten Stufe, schaue der Katze beim Fressen zu, wenn sie dann fertig ist sage ich zu ihr, ohne sie anzuschauen oder eine einladende Geste zu machen, happ und sie springt in meinen Schoß, rollt sich ein, putzt sich das Maul, schaut mir kurz in die Augen, wenn sie lächeln könnte würde sie jetzt lächeln und erwartet jetzt, stundenlang, am Hinterkopf gekrault zu werden. Weiber!



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